Insolvenzpraxis

Geschrieben von GAP am .

Die steigende Zahl der Unternehmens-Insolvenzen liefert den Anlass, um die praktischen Auswirkungen einer Insolvenz für betroffene Unternehmen kurz zu beleuchten.

Die Insolvenz-Praxis

Gerichtliche Insolvenzverfahren führen zu einem völlig unbefriedigenden Ergebnis:

  • In über 90 Prozent aller Insolvenzverfahren wird das Unternehmen eingestellt und zerschlagen.
  • An die Gläubiger wird eine Quote von weniger als 5 Prozent ausbezahlt.
  • Die Auszahlung erfolgt erst nach 3 bis 4 Jahren.
  • In einem eröffneten Insolvenzverfahren erfolgt eine umfassende
  • Überprüfung erfolgter Zahlungen, vor allem an den Inhaber oder Gesellschafter, die bis zu 10 Jahren zurückgehen können. Entsprechende Unterlagen sind vorzulegen.
  • Der enorme bürokratische Aufwand eines Insolvenzverfahrens ist die Hauptursache für die entstehenden Kosten, die lange Laufzeit sowie die dadurch bedingte niedrige Gläubigerquote.

Unternehmer-Risiken

Für den betroffenen Unternehmer ergeben sich aus der Insolvenz erhebliche strafrechtliche und zivilrechtliche Risiken.

  • Handelt es sich um eine GmbH oder sonstige Kapitalgesellschaft, wird in vielen Fällen eine strafrechtlich relevante sog. Insolvenzverschleppung vorliegen.
  • Dies kann zu persönlichen Haftungen des Geschäftsführers bis zur vollen Höhe des Insolvenzschadens führen.
  • Zudem besteht eine zivil- und strafrechtliche Haftung für die Arbeitnehmerbeiträge zu den Sozialabgaben.
  • Weitere persönliche Haftungsrisiken für nicht gezahlte Steuern kommen hinzu.
  • Letztlich können aufgrund der Krisensituation normale Geschäfte zu zivil- oder strafrechtlichen Haftungsrisiken führen, so dass ein betroffener Unternehmer allen Grund hat, eine Insolvenz unbedingt zu vermeiden.

Vermeidungs-Strategie

Besteht eine massive Liquiditätskrise, ist die Vermeidung der Insolvenz nur mit Zustimmung der Gläubiger möglich, da alle fälligen Forderungen zumindest vorübergehend gestundet werden müssen.

Der außergerichtliche Vergleich

Um die notwendige Zustimmung der Gläubiger zu erreichen, ist ein außergerichtlicher Vergleich erforderlich, der bei professioneller Vermittlung regelmäßig auch zustande kommt.

  • Aufgrund der extrem niedrigen Insolvenzquote haben die Gläubiger auch ein erhebliches Interesse daran, eine Insolvenz zu vermeiden. 50 Prozent Vergleichsquote sind immer besser als 5 Prozent Insolvenzquote.
  • Um diese Erkenntnis überzeugend zu vermitteln und einen fairen Vergleich zustande zu bringen, ist in der Regel eine unabhängige Vermittlung zu nutzen, um eine entsprechende bindende Verpflichtung auch gegenüber den Gläubigern zu erreichen.
  • Dazu ist die Unternehmenssituation zu analysieren. Danach wird ein Konzept für einen außergerichtlichen Vergleich erstellt. Dieses enthält die notwendigen Stundungen, Verzichte oder Rangrücktritten. Damit kann man das Konzept mit dem voraussichtlichen Ergebnis eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens vergleichen.
  • Damit könnte eine Sanierung eingeleitet werden. Die Gläubiger könnten so von der Notwendigkeit der Sanierung überzeugen und ihre Zustimmung zu einem außergerichtlichen Vergleich erreichen.

Fazit

Kann ein Unternehmen fällige Verbindlichkeiten nicht mehr pünktlich bezahlen, muss ein Unternehmer handeln, da sich das Problem selten allein über das laufende Geschäft löst. Bevor er ein Insolvenzverfahren einleitet, sollte er unbedingt bestehende Sanierungsmöglichkeiten überprüfen, wozu vor allem ein außergerichtlicher Vergleichsabschluss mit den Gläubigern gehört.

{jcomments on}